Gründung

Vorgeschichte: In den 60er Jahren wurden Forderungen nach einer Reform der Universitäten immer dringlicher gestellt. Zugleich breitete sich seit der Mitte dieses Jahrzehnts in den Hochschulen die "Studentenbewegung" mit zunehmend allgemeinpolitischen Forderungen und gewalttätigen Aktionen aus. Spätestens 1968 wurde deutlich, dass sowohl diese "Bewegung" als auch die unter dem Eindruck dieser "Bewegung" eingeleitete Hochschul-"Reform" zu einer Bedrohung der Freiheit von Forschung und Lehre werden würde. Es entstanden Gesprächskreise von Professoren, die dieser Entwicklung entgegenwirken wollten. 

 

An der Gründung eines informellen "Frankfurter Kreises", konstituiert am 19. 10. 1968, und an der Gründung der "Wissenschaftlichen Gesellschaft e.V. Kronberg" am 19. 1. 1969 war Prof. Karl Häuser maßgeblich beteiligt. Zweigstellen der Wissenschaftliche Gesellschaft bildeten sich in Tübingen (Prof. Friedrich Tenbruck) und München (Prof. Hans Maier). Am 22. 6. 1970 veranstaltete die Gesellschaft in Bonn eine hochschulpolitische Tagung; Referenten waren die Professoren Hermann Lübbe, Ernst Nolte, Horst Sanmann und Friedrich Tenbruck. Auf der Veranstaltung mit über 100 Teilnehmern wurde die Gründung des "Bundes Freiheit der Wissenschaft" im Herbst 1970 bekanntgegeben und ein Gründungskomitee eingesetzt; ihm gehörten an:
Edith Eucken-Erdsieck, Hans Joachim Geisler, Karl Häuser, Wilhelm Hennis, Gerhard Löwenthal, Richard Löwenthal, Hermann Lübbe, Hans Maier, Thomas Nipperdey, Ernst Nolte, Heinz Dietrich Ortlieb, Konrad Repgen, Walter Rüegg, Horst Sanmann, Erwin K. Scheuch, Hatto H. Schmitt, Hermann Schmitt-Vockenhausen, Gerhard Schröder und F. H. Tenbruck.


Der Text des
Gründungsaufrufs ist unter Originaltexte zu finden

 

Der BFW stellte über diese Aktivitäten eine Pressedokumentation zusammen. Schon am 13. 12. 1969 war in Berlin die "Notgemeinschaft für eine freie Universität", ebenfalls aus Gesprächskreisen von Professoren entstanden, als organisierter Verein gegründet worden und gab seit ihrer 1. Mitgliederversammlung am 9. 2. 1970 Veröffentlichungen über die Ereignisse an den Berliner Hochschulen heraus. Ihrem ersten Vorstand gehörten u.a. Prof. Otto von Simson, Prof. Georg Nicolaus Knauer sowie - im BFW später besonders aktiv - Prof. Jürgen Domes, Dr. Hans Joachim Geisler, Prof. Horst Sanmann an. Die Notgemeinschaft schloss sich dem BFW bei dessen Gründung als (weiter eigenständige) Berliner Sektion an (siehe “Sektionen"). Auf dem Gründungskongreß des Bundes Freiheit der Wissenschaft am 18. November 1970 in Bad Godesberg hielt Hans Maier das Referat "Ein neuer Anfang"; eine Programmerklärung des BFW wurde veröffentlicht; das Echo in der Öffentlichkeit war enorm. Pressesprecher des BFW wurde Prof. Erwin K. Scheuch. Vgl. den Bericht über der Kongreß in HPI 4/1970.

 

Zur Vorgeschichte vgl. Walter Rüegg, “20 Jahre BFW: Vom Defensivbündnis zum think tank” (FdW 4/1990), und "15 Jahre Notgemeinschaft 1970 bis 1985", hrsg. von Hans Joachim Geisler, Richard Hentschke, Ingo Pommerening, Berlin 1986.