19.06.2011

„Akkreditierungsrat stellt sich selbst ins Abseits“

Nr. 13/2011
Bonn, 14. Juni 2011
Kempen: „Akkreditierungsrat stellt sich selbst ins Abseits“



 

 


Prof. Dr. Bernhard Kempen,
Präsident des Deutschen Hochschulverbandes

Deutscher Hochschulverband fordert Ende des Akkreditierungszirkus
„Die Entscheidung des Akkreditierungsrates, Studiengänge, die wahlweise den Abschluss BA/MA oder Diplom anbieten, nicht mehr zu akkreditieren, ist bizarr und grotesk“, erklärte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Professor Dr. Bernhard Kempen.
Es gibt keinen vernünftigen Sachgrund, bei Studiengängen, die unter Anerkennung und nach Maßgabe der BA/MA-Struktur aufgebaut sind, die Vergabe des Diplomgrades zu untersagen.
Der Akkreditierungsrat will mit seiner Entscheidung offenbar in eine neue Eskalationsstufe eintreten und als Liquidator des Diploms in die Geschichtsbücher eingehen.“
Dies sei umso unverständlicher, als auch in anderen Bologna-Signatarstaaten wie in Österreich und in den skandinavischen Ländern Diplomgrade weiter verliehen würden. „Das Diplom ,made in Germany’ hat eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte. Diplomabsolventen sind bei der Wirtschaft im In- und Ausland begehrt“, so Kempen. „Dass sich ausgerechnet Wirtschaftsrepräsentanten auf die Fahnen schreiben, dem Diplom als einer weltweit anerkannten Marke den Garaus zu machen, ist ebenso absurd wie lächerlich.“


Studierende sollten sich von der Ankündigung des Akkreditierungsrates jedoch nicht verunsichern lassen. „Angesichts der Tatsache, dass nicht akkreditierte Studiengänge ohne Beanstandung weiterlaufen, geht die Drohung der Nichtakkreditierung ins Leere“, betonte Kempen. „Für die Qualität eines Studienganges bürgt die Universität mit ihrem Ruf, nicht der Akkreditierungsrat mit seinen Volten.“
Die Politiker in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen sollten den Fehdehandschuh, den ihnen der Akkreditierungsrat hinwerfe, aufgreifen und den Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Akkreditierung aufkündigen, so Kempen weiter. „Der Akkreditierungsrat in seiner jetzigen Form gehört in die Mottenkiste. An die Stelle einer in Agonie befindlichen Struktur muss ein modernes, autonomes und von den Hochschulen selbst verantwortetes Qualitätsmanagementsystem, wie in Rheinland-Pfalz, treten. Die Hochschulen sind selbst in der Lage, Studieninhalte und Abschlussbezeichnungen festzulegen.“

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