08.05.2012

Deutscher Hochschulverband sieht Unparteilichkeit von Wissenschaft in Gefahr

Bernhard Kempen: „Wissenschaft braucht mehr Transparenz“ 

Sachfremde Einflußnahme abwehren – Studierende ab dem ersten Semester für mögliche Loyalitätskonflikte sensibilisieren

 Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Professor Dr. Bernhard Kempen, hat anläßlich des 62. DHV-Tages in Hannover an Bund und Länder appelliert, für eine ausreichende staatliche Grundfinanzierung der Forschung zu sorgen. „Solange Einwerbungserfolge bei Drittmitteln sich immer mehr zum Fetisch und zur Währung des Wissenschaftsbetriebs entwickeln, wächst die Gefahr sachfremder Einflüsse auf die Wissenschaft“, betonte Kempen. „Die in den zurückliegenden Jahren zu beobachtende strukturelle Verschiebung hin zu mehr drittmittelfinanzierter Forschung bei gleichzeitiger Verschärfung des Wettbewerbs um Finanzierungsmittel ist für die Unabhängigkeit und damit die Unparteilichkeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern schädlich.“

Wissenschaft als Suche nach Wahrheit setze Ehrlichkeit voraus und schließe die Indienstnahme oder Instrumentalisierung durch Dritte aus. Dem Verdacht, nicht erkenntnis-, sondern interessengeleitet zu forschen, müsse durch größtmögliche Transparenz entgegengewirkt werden. „Für die Öffentlichkeit muß bei Kooperationen zwischen Unternehmen und Universitäten nachvollziehbar sein, daß der Geldgeber weder auf Forschung und Lehre noch auf die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen Einfluß nimmt“, erläuterte der DHV-Präsident. „Kooperationsverträge der Hochschulen mit Unternehmen müssen offengelegt werden.“ Kempen forderte, daß Wissenschaftler Angaben über die Höhe und Dauer der Förderung sowie den Namen des Auftraggebers der nicht aus der staatlichen Grundausstattung finanzierten Forschungs- und Drittmittelprojekte veröffentlichen. Fachzeitschriften sollten darüber hinaus die einem Fachbeitrag zugrundeliegenden Zuwendungsverhältnisse des Autors offenlegen bzw. die entsprechenden Angaben vom Autor fordern. 

 Um angehende Funktionseliten gegen Beeinflussungsstrategien Dritter zu wappnen, müßten Hochschullehrer Studierende vom ersten Semester an für mögliche Loyalitätskonflikte sensibilisieren. Kempen abschließend: „Fachbezogene Ethik mit Bezug zur jeweiligen Wissenschaftsgeschichte muß an allen deutschen Universitäten ein Teil des Pflichtlehrangebotes werden.“

 

 



Professor Dr. Bernhard Kempen wurde beim 62. DHV-Tag in Hannover mit überwältigender Mehrheit für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt.