12.12.2011

100 Seiten Klartext - Das neue Buch von Josef Kraus



Josef Kraus,
Bildung geht nur mit Anstrengung – Wie wir wieder eine Bildungsnation werden können
Hamburg, Classicus, 2011,
101 S., Preis: 9,90 EURO

ISBN 978-3-942848-27-5
 
 
„Analytische Schärfe, fundiertes Wissen und große Praxiserfahrung“  (Claudia Ludwig): auf diesem soliden Fundament trägt der Autor (*1949, Präsident des Dt. Lehrerverbandes seit 1987) seine 33 Thesen vor. Es ist ein unverfälschtes Bild in einem Spiegel, den Josef Kraus den Machern einer Bildungspolitik vorhält, die Schulen mit einem Hamsterrad oder gar einem Treibhaus verwechseln. Kein Wunder, daß im Schulalltag nicht der Unterricht als das Kerngeschäft im Mittelpunkt steht, sondern das offene, vor- und nachsteuerbare Projekt, für das letztlich zuletzt deren Initiatoren Verantwortung tragen wollen.
 
Josef Kraus „bürstet gegen den Strich der pädagogischen Korrektheit“, um den Weg zu einer rationalen, realistischen und v.a. reellen Bildungspolitik zu finden, die Gleiches gleich und
Unterschiedliches differenziert behandelt, schlicht Fakten als Arbeitsgrundlage sieht, denn
„Bildung ohne Anstrengung geht nicht“ – an allen Schularten. Er sieht in den pädagogischen Grundprinzipien Leistung und Auslese die beiden Seiten ein und derselben Medaille, der Münze Bildungsgut. Das Risiko des Scheiterns („Sitzenbleiben“) abzuschaffen, hält Josef Kraus für pädagogische Falschmünzerei, die Vorstellung von einer „streßfreien Schule“ ein Hirngespinst.
 
Seine Forderung nach Erhalt einer „schulischen Vielfalt statt integrierte Einheit“ stützt Josef Kraus mit Untersuchungsergebnissen seit den 70-/80-er Jahren. Er entlarvt Etikettierungen der Superlative: Musterschulen mit Traumnoten wie die Odenwaldschule, die vom Gymnasium zur Integrierten Gesamtschule rückgebaute Helene Lange-Schule (Wiesbaden) oder die Bielefelder Laborschule und spricht sich klar gegen den „unsinnigen Beschleunigungswahn“ am Beispiel der G 8-Reform aus, die deren Absolventen nicht besser macht, aber sie (nach Nachsteuerungen) bei korrigierten Notenschnitten mit Tendenz zu 2,0 besser abschneiden läßt. Ob  ein heute output-orientiertes, also abschlußorientiertes Schulwesen sich nicht morgen punktuellen Zusatz- als Eingangsprüfungen an wieder input-orientiertem Hochschulwesen oder Einstufungstests der Wirtschaft ausgesetzt sehen wird?
 
Das gesamte Schulwesen steht in der Bundesrepublik Deutschland verfassungsgemäß unter der Aufsicht des Staates. Josef Kraus appelliert daher zurecht an die Politiker als Gesetzgeber,
„wieder die volle Verantwortung für ihre Schulreformen zu übernehmen“. Beginnend mit der
demokratisch verantworteten sozialen Errungenschaft der Schulpflicht setzt sich Josef Kraus engagiert mit angeblich signifikanten Steigerungsraten bei den Privatschulen (Schulen in freier Trägerschaft) auseinander und deren vorgeblicher (!) Leistungsüberlegenheit (vgl. Untersuchungen des DIPF Frankfurt) und fordert eine „Entzauberung der Reformpädagogik“
(Bsp. Montessori-, Waldorf-, Jenaplanschulen, Nachfahren der Landerziehungsheimpädagogik). Der Autor plädiert nachdrücklich für eine Einheit (durch Vergleichbarkeit von Anforderungen in Abschlüssen) in der Vielfalt des Bildungsföderalismus und votiert gegen einen Bildungszentralismus, der zwangsläufig zu (weiterer) Niveauabsenkung auch im öffentlich-rechtlichen Schulwesen führen müsse – ein Bärendienst an unseren Jugendlichen.
Josef Kraus stellt fest, was unseren Schulen als „Mission Hoffnung“ gegönnt sei. Er präsentiert seine Thesen in einer flüssigen, gewinnenden Art – dennoch ist es keine leichte Kost, die er serviert.                                                                 

                                                                                                                                            Willi Eisele